DíA INTERNACIONAL DE LA BIODIVERSIDAD 2010
 

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Ecuador: Garten Eden der Shuar-Indianer

Im ecuadorianischen Amazonastiefland, dort wo sich Kapuzineraffen genauso heimisch fühlen wie Gürteltiere, Tapire oder die meerschweinähnlichen Pacas, haben die indigenen Shuar ihren ethnobotanischen Garten angelegt. Eine echte Schule für vergessene Nahrungs- und Medizinalpflanzen, die die Biodiversität dieses einmaligen Landstrichs in den Ausläufern der Andenkordillere erhält und fördert. Beim Unterricht helfen ihnen die Missionare des katholischen Salesianer Ordens.


Ecuador gehört zu den 17 artenreichsten Ländern der Welt. Das kleine südamerikanische Andenland kann elf ausgewiesene Gebiete mit endemischen Vögeln sowie sechs Zentren mit besonderer Artenvielfalt und endemischen Pflanzen nachweisen. Zu diesen Gebieten zählt auch der Nationalpark El Cóndor, der seinen Namen von der 150 Kilometer langen El Cóndor-Kordillere erhielt. Sie erhebt sich bis auf 2.900 Meter und bildet die natürliche Grenze Ecuadors zu Peru.


Die El Cóndor-Kordillere ist angestammtes Territorium der Shuar, des zweitgrößten indigenen Volkes Ecuadors. Über diese kulturelle Bedeutung hinaus, besteht die Region aus einer immensen ökologischen Vielfalt. Hier entfalten sich unter anderem die letzten Bestände an feuchtem, niedrigem Bergwald. Außerdem wurden hier 38,5% der Säugetierarten, 13% der Amphibien, 38% der Vogelarten und etwa 10% der Pflanzenarten in Ecuador registriert. Das ist erstaunlich, denn die El Cóndor-Kordillere umfasst nur 2,6% der gesamten Landesfläche. Wissenschaftler haben hier 2.030 Pflanzenarten, 142 Säugetierarten, 613 Vogelarten, neun Reptilien- und 56 Arten von Fröschen und Kröten entdeckt. Botaniker und Zoologen gehen davon aus, dass das Ende der Liste noch nicht erreicht ist.


"Die Cóndor-Kordillere besitzt möglicherweise eine reichere Flora, als jede andere Region ähnlicher Größe in der Neuen Welt, und sie hat wahrscheinlich auch die weltweit höchste Konzentration von Arten, die noch nicht von der Wissenschaft erfasst worden ist." (David Neill, Forscher am Nationalen Herbarium Ecuador)


Eine besondere Schule des Lebens

Um sie zu erhalten haben die Shuar in der Provinz Morona Santiago, nahe der Kantonshauptstadt Gualaquiza ihren ganz besonderen Garten eingerichtet. Seit 2004 werden die Shuar von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützt. Der Garten enthält sowohl Nutzpflanzen zur Ernährung, als auch Heil- und spirituelle Pflanzen. Die Schüler ernähren sich zu rund 80% aus diesem Garten. Die Medizinalpflanzen werden für Krankheitsfälle bzw. die spirituellen Pflanzen für Zeremonien der Shuar verwendet. Ziel ist es, den Schülern den kulturellen, medizinischen und ökonomischen Nutzwert dieser Pflanzen zu vermitteln. Dabei werden sie von den Missionaren des katholischen Ordens der Salesianer unterstützt, die eine lokale Internatsschule betreiben.


Mit dem Projekt soll auch das traditionelle Wissen der Shuar fortgeführt werden. In den Schulferien reisen die Schüler zu ihrer jeweiligen Stammesgemeinde im Amazonasgebiet. Dort befragen sie die Gemeinde-Ältesten, für die der Umgang mit diesen Nutz- und Heilpflanzen noch alltäglich ist. Sie suchen die Pflanzensetzlinge und bringen diese nach den Ferien zur Schule mit. Die Pflanzen werden dort gezüchtet und deren Nutzen und Wirkung gelehrt. Die Schüler, die aus Gebieten kommen, in denen diese Pflanzen in Vergessenheit geraten sind, können dann in den nächsten Ferien die Pflanzen zu ihrer Heimatgemeinde mitnehmen und auspflanzen. Dort berichten sie von der Nutzung dieser Pflanzen. Mittlerweile haben bereits 90 Gemeinden an diesem Austausch von Saatgut und der Verbreitung von Wissen über die vielfältige Nutzung der Tropenwaldpflanzen teil genommen.


Da die meisten Pflanzen nur im Schatten des Amazonaswaldes gedeihen, trägt dieser Ansatz neben dem Artenschutz auch zur Walderhaltung bei, was wiederum den Schutz der Wasserressourcen (Bewässerung, Energieerzeugung) und die CO2 -Speicherung (Beitrag zur Verringerung des Klimawandels) fördert.


Aktionstage am 15. und 16. Mai

15. Mai: "Encuentro de Saberes y Sabores del Pueblo Shuar"
("Wissen und Geschmack - Das Treffen der Shuar")


Am 15. Mai findet eine Messe auf dem Schulgelände von ISPEDIBSHA statt. Thema sind Nahrungssicherung und der Erhaltung der Shuar-Kultur. Einheimische Shuar-Familien präsentieren traditionelle Gastronomie; außerdem wird Kunsthandwerk der Shuar und Saatgut der einzelnen Ajas (Feld, Anbaugebiet) ausgetauscht.


Im Lauf des Tages lernen die Teilnehmer den rund sechs Hektar großen ethnobotanischen Garten der Schule kennen. Hier werden mehr als 360 verschiedene Pflanzenarten angebaut, darunter Heil- und Nutzpflanzen sowie spirituelle Pflanzen. Ziel ist es, den kulturellen, medizinischen und ökomonischen Wert dieser Pflanzen zu vermitteln. Außerdem sollen der Orchideengarten und das kulturelle Zentrum der Schule besucht werden.


Bei einem Expertenforum diskutieren Vertreter des Umweltministeriums, des Erziehungsministeriums und des nationalen Agrarforschungsinstituts über die Bedeutung von Biodiversität für Natur, Ernährung und Kultur. Zum Ausklang des ersten Tages wird eine Gruppe Shuar beim kulturellen Abend den Gästen traditionelle Lieder und Tänze präsentieren.


16. Mai: Besuch einer Aja


Zu Beginn des zweiten Tages besuchen die Teilnehmer eine sogenannte Aja - ein Stück Land, auf dem die Shuar ihre Planzen und Kräuter auf traditionelle Art und Weise anbauen. Auf diesen Feldern, die sowohl an Hängen, Flüssen oder in der Ebene liegen können, werden die unterschiedlichsten Pflanzen angebaut. Sie dienen der Nahrungssicherung und weisen eine besonders hohe Biodiversität auf.


Bevor die Besuchergruppe die Rückreise nach Quito antritt, gibt es eine Abschlussveranstaltung, bei der die Schüler des Instituts zeigen, was sie über Naturschutz und Biodiversität in der Schule gelernt haben.


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Fotos: Francisco Enríquez, Wiebke Rössig, Instituo Superior Pedagógico Intercultural Bilingüe Shuar-Achuar.