"In Städten gibt es nicht sehr viele Tiere und Pflanzenarten." Dieses Vorurteil will Kaspars Ozols widerlegen. Um zu zeigen, wie artenreich ein städtisches Ökosystem sein kann, ruft Lettlands GEO-Chefredakteur am 22. Mai zum Aktionstag der biologischen Vielfalt auf: in Bisumuiza, einem Park in Riga, der früher auch Bienenhof genannt wurde. „Die Natur ist überall. Sie sucht sich ihren Weg, auch in der Stadt“, sagt Ozols. "Das werden wir eindrucksvoll zeigen."
Zuversichtlich geben sich auch die Mitarbeiter des lettischen Naturkundemuseums, das den Aktionstag unterstützt. Die Fachleute führen die Schüler mehrerer Rigaer Schulen durch Bisumuiza, erklären ihnen die Rolle der Arten im städtischen Ökosystem - und geben Beispiele für deren Nutzen: Etwa, dass die Blütenbracht des Parks ohne Bestäuber wie Bienen und Hummeln nicht existieren würde. „Ohne Vögel gäbe es viel mehr Insekten. Und es wäre still – einfach unvorstellbar“, sagt GEO-Projektleiter Kaspars Milasevics.
Der Tag in Bisumuiza ist voll gepackt mit Exkursionen: Zuerst suchen die Experten nach invasiven Arten, die nach Lettland eingewandert sind. Zu ihnen gehören etwa der Rote Holunder (Sambucus racemosa) oder der Spitzahorn (Acer platanoides). Anschließend stehen Pilze im Fokus, dann Schnecken und Vögel. Und am Abend versuchen Schüler und Wissenschaftler, Insekten zu fangen: mit Lichtfallen, deren ultraviolettes Licht die Tiere aus dem Dunkeln anlocken soll. Die Fachleute rechnen mit verschiedenen Arten der Schwärme (Sphingidae) und Eulenfaltern (Noctuidae). Ein Filmteam der „Nature Film Studios“ begleitet den Insektenfang mit der Kamera. Als Beweis für die vorgefundene Insektenvielfalt wird die Dokumentation später im lokalen Fernsehen übertragen.
Die Tages-Exkursionen nehmen besonders Arten in den Blick, die Schlüsselrollen im Ökosystem des Parks einnehmen: Etwa die Steinhummel (Bombus lapidarius), die ein wichtiger Bestäuber ist - für einige Pflanzenarten sogar der einzige. Oder den Tigerschnegel (Limax maximus) und die Baumschnecke (Arianta arbustorum), die in Bisumuiza häufig vorkommen und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Kleinsäuger sind. Und damit ein bedeutendes Bindeglied für das gesamte Ökosystem. Die Aufmerksamkeit gilt auch Mückenlarven. Sie sind – im Wasser und an Land – quasi ein Grundnahrungsmittel für Vögel oder Fische.
Bei der Pilzsuche hoffen die Experten auf den Flachen Lackporling (Ganoderma applanatum). Auf dessen Unterseite kann man Bilder malen, da sich die Poren an Druckstellen dauerhaft braun färben. Im Englischen heißt der Pilz daher „Artist′s Conk“ oder „Designer's Mushroom“.