INTERNATIONAL DAY OF BIODIVERSITY 2010
 

Previous action days


A cooperation of


On behalf of



Finnland: Helsinki's city park Töölönlahti

Announcement

Artenschau in Töölönlahti

Species display in Töölönlahti

Links

Downloads

Gallery

Announcement

Original announcement of the event on this website (April 2010)


Artenschau in Töölönlahti

English text further below.
For the GEO article in Finnish language, please go to the downloads section.


Helsinkis Stadtparksee ist ein ornithologisches Kleinod – und ein ökologisches Dienstleistungszentrum für die Einwohner.


Lasse Laine senkt den Wuschelkopf und späht, die Linke am Stativ, die Rechte an einem Schwenkhebel, durchs montierte Fernrohr auf den Stadtparksee. „Eine Raubseeschwalbe! Sterna caspia! Wirklich erstaunlich!" Um den 64-Jährigen stehen im Halbkreis zwölf weitere Vogelfreunde. Einige versuchen mit dem eigenen Fernglas, die Wunder-Schwalbe über dem Wasser auszumachen, das in der Morgendämmerung dampft. Die Mehrheit aber starrt an diesem Maimorgen im Töölönlahti-Park von Helsinki wie gebannt auf Lasse Laine, Finnlands bekanntesten Ornithologen.


Laine hat 25 Bücher publiziert, hat nicht weniger als 84 Länder auf der Spur der Federtiere besucht. Aber er kann dennoch ins Staunen geraten über das Vogelleben im Park, der eigentlich ein Grünstreifen um einen mitten in der Stadt (beim "Töölö"-Viertel) gelegenen See ist. „Erst Lanius collurio, der Neuntöter, jetzt die Raubseeschwalbe. Kann sich sehen lassen.“


Und das gilt auch für die Zahl der Vogelspezies - 48 Arten werden die Ornithologen während 24 Stunden erfassen. Ihr Beitrag zur großen Suche, die GEO Finnland am 25. und 26. Mai organisiert hat - mit Hilfe von 50 Biologen, die das finnische Umweltministerium, Helsinkis Naturkundemuseum oder die Stadtverwaltung geschickt haben. Eine GEO-Zeltstadt am Westufer des Stadtparksees ist Dreh- und Angelpunkt der Artenjagd, zu der auch drei Schulklassen gekommen sind.


Kommunikative Typen wie Laine führen Schüler durch kleine Wäldchen, während schweigsame Insektenkundler im Gestrüpp Schlupfwespen suchen. Überall, so scheint es, sind Biologen versteckt - die meisten im Uferstreifen des Parksees, der einmal eine Meeresbucht war. Für den Bau einer Eisenbahnbrücke wurde 1862 ein Damm aufgeschüttet; der Zufluss zum Hafen war von da an versperrt. Helsinki bekam einen See - der leicht salziges Brackwasser führt.


To top

200 Jahre im Dienst von Helsinki

Für die Stadtbewohner bietet der Park, der nach 1800 entstand und Anfang des 20. Jahrhunderts zum Erholungsrevier für Helsinkis Arbeiterklasse ausgebaut wurde, beste Umweltdienste: Spazierengehen, Joggen, Bootfahren, Picknicken. Dazu kommt die Luftreinhaltung, für die Laubgehölze wie Spitzahorn und Schwarzerle sorgen. Der Leistungskatalog bietet noch mehr: die Möglichkeit zum Birdwatching, das in Finnland eine Renaissance erlebt. Und Angler dürfen im See 30 Meter lange Netze auslegen; die Zehn-Euro-Lizenz dafür kann jeder kaufen.


„Der Fischreichtum ist enorm“, sagt Seppo Knuuttila und hält einen 4-Pfund-Zander in die Höhe, während er im Boot stehend auf das Ufer zugleitet. Aus dem Schilf heraus filmt ein Fernsehteam, wie der Kollege Pekka Kotilainen mit seinen knallorangen Wathosen vom Bug ins braune Wasser springt und den Kahn an Land zieht. Tief sinken seine Stiefel im modrigen Uferschlamm ein, bei jedem Schritt schmatzt der Boden. Noch ein kräftiger Ruck, und das Boot ist an Land. Die Männer breiten das Netz am Ufer aus und machen Inventur: „Zander, Brasse, Barsch“, sagt Kotilainen, während er mühsam einen Fisch nach dem anderen aus den verhedderten Maschen löst. Immer wieder tauchen aus dem Garnberg feiste Zander auf, die sich die Männer zu Seite legen. „Fürs Abendessen.“


Die kleineren Fische bekommt der Zoo, der sie an Robben verfüttert. „Eine Meerforelle“, ruft Knuuttila plötzlich und hält einen kleinen schlanken Fisch mit schwarzen Punkten und der für die Forellenartigen typischen Fettflosse hoch. Die Meerforelle stellt hohe Ansprüche an die Gewässerqualität; im Brackwasser von Töölönlahti taucht sie eigentlich nie auf.


Am Ende des Artentages werden die Wissenschaftler Salmo trutta trutta als Indikator dafür werten, dass sich die Wasserqualität des Sees verbessert hat. Und die Entscheidung der Umweltbehörde, 2005 Frischwasser von der Küsten einzuleiten, richtig war. Seitdem ist der Sauerstoffgehalt gestiegen – und beherbergt das Wasser mehr Arten. Auch solche, die Essi Keskinen ertaucht hat. Die Meeresbiologin ist gerade im Neoprenanzug die Böschung heraufgekraxelt, hat Taucherbrille, Bleigürtel und Flossen zu den anderen Gerätschaften auf die große Plane gelegt und betrachtet jetzt im Taucherzelt die gesammelten Funde: Muscheln am Boden von Einmachgläsern, Mückenlarven in einer Petrischale. „In Töölönlahti finden wir viele invasive Arten, die nicht ins Ökosystem passen,“ erklärt die hochgewachsene Forscherin und nimmt ein Glas mit einer Überraschung in die Hand: Die aus Nordamerika stammende Dreikantmuschel Mytilopsis leucophaeata, die andere Arten verdrängt, wurde bislang nur im Kühlwasser finnischer Kernkraftwerke gefunden.


938 Tier- und Pflanzenarten haben die Experten am Schluss gefunden. Darunter regionaltypische Arten wie die Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii), aber auch unerwartete Vertreter wie den Erlenzeisig (Carduelis spinus) oder das Durchwachsene Laichkraut (Potamogeton perfoliatus).


„In Finnland gibt es geschätzte 45.000 Arten, wir haben heute davon zwei Prozent gefunden – ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Leif Schulman, Direktor des Naturkundemuseums, bei der Abschlusspresskonferenz in der eleganten Hakasalmi-Villa am Rand des Parks. „Wohlbefinden und Gesundheit der Stadtbewohner hängen auch von einer intakten Biodiversität und einer sauberen Umwelt ab“, sagt Schulman. „In den Städten wird das leider zu oft vergessen.“


To top

Species display in Töölönlahti

The small lake in Helsinki’s city park is an ornithological treasure trove as well as an ecological service centre for the city’s inhabitants.


Lasse Laine lowers his head of curly hair, his left hand on the tripod the right one on a lever, he peers at the lake through a mounted telescope. ‘A Caspian tern! Sterna caspia! Really remarkable!’ Twelve other birdwatchers are standing around the 64-year old ornithologist in a semi-circle. Some of them are trying to make out, through their own binoculars, the wonder-tern on the water steaming in the early dawn light. On this May morning in Töölönlahti Park in Helsinki, most of them however, are staring spellbound at Lasse, Finland’s best-known ornithologist.


Laine has published 25 books and has visited no less than 84 countries following the feathered beasts. He can nonetheless be amazed by the bird life in the park that is just a strip of green around a lake in the middle of the city (next to the Töölö quarter). ‘First Lanius collurio, the red-backed shrike and now a Caspian tern. That’s wonderful.’


And that’s also true of the number of bird species, the ornithologist will have recorded – 48 species in the space of 24 hours. This is their contribution to the great hunt organised by GEO Finland on 25 and 26 Mai, with the help of 50 biologists sent by the Finnish Environment Ministry, Helsinki’s Natural History Museum and the city administration. A GEO tent-city along the western bank of the lake is the focal point of the species hunt. Three classes of school children have also joined them.


Communicative types like Laine lead school children through small areas of forest, while the more reticent insect experts look for ichneumon wasps in the undergrowth. Biologists are hidden all over the place it seems, most of them in the stretch along the bank of the park’s lake that was once a sea bay. A dam was erected in 1862 to enable the building of a railway bridge to the city centre – and Helsinki acquired a lake with lightly salted brackish water.


To top

200 years at Helsinki's service

The park came into being in the early 1800s and in the early 1900s was turned into a recreational area for Helsinki’s working classes. Now it offers Helsinki’s residents the best in environmental services: walks, jogging, boating and picnics. Add to that clean air, thanks to the deciduous trees such as the Norway Maple and Black Alder. The catalogue of achievements is even greater: the possibility of bird watching, an activity that is seeing something of a renaissance in Finland. And Anglers can lay out nets up to 30 metres long - the10-Euro license for this can be bought by anyone.


‘There is a wealth of fish’ says Seppo Knuuttila holding a four-pound pikeperch while he stands in the boat as it glides along the bank. From among the reeds a television crew films his colleague Pekka Kotilainen dressed in bright orange waders as he jumps off the bow into the brown waters and pulls the rowboat to the shore. His boots sink deep into the musty mud along the bank, the ground squelching with every step. Another strong tug and the boat is on land. The men stretch out the net along the bank and take an inventory: pikeperch, bream, bass’ says Kotilainen, as he painstakingly releases one fish after another from the tangled mesh. Pikeperch keep turning up in the mountain of netting, the men put them to one side – ‘for dinner’.


The zoo gets the smaller fish to feed the seals. ‘A sea trout’, Knuuttila calls out suddenly holding up a slim fish with black dots and the fatty fin typical of trout. Sea trout are very particular about water quality and you wouldn’t normally expect to find them in the brackish water of Töölönlahti.


At the end of the ‘species day’ the scientists will see Salmo trutta trutta as an indication that the water quality of the lake has improved. It also confirms that the environmental authorities were right in their decision, made in 2005, to direct freshwater from a larger bay nearby into the lake. Oxygen levels have risen since then and the water is able to accommodate more species – including those that Essi Keskinen has discovered. The marine biologist has just clambered up the bank in a neoprene suit. Having laid out her diving goggles, lead belt and flippers next to the rest of the equipment on a large tarpaulin, she inspects the collected finds in the diving tent: mussels at the bottom of glass jars, mosquito larvae in a Petri dish. ‘We find many invasive species that don’t belong in the ecosystem in Töölölahti,’ says the tall research scientist picking up a jar with some surprise: it contains the triangular North American mussel Mytilopsis leucophaeata that drives out other species. Until now it was only found the cooling water of Finnish nuclear power stations.


By the end of the day the experts have found 938 animal and plant species. Among them are species typical to the region such as the Northern bat (Eptesicus nilssonii), as well as unexpected ones such as the Eurasian siskin (Carduelis spinus) or the clasping-leaf pondweed (Potamogeton perfoliatus).


‘There are an estimated 45,000 species in Finland, and today we found two per cent of them – an excellent result’, says Leif Schulman, director of the Natural History Museum at the concluding conference in the elegant Hakasalmi Villa on the edge of the park. 'The well-being and health of the city-dwellers are also dependent on an intact biodiversity and on a clean environment’ says Schulman. ‘We forget that all too often in the cities.'


To top

Links

Media Coverage


To top

Downloads

Finland_Biodiversity_October_2010.pdf

GEO coverage of Biodiversity Action Day in Helsinki and the world (GEO Finland, October 2010, in Finnish)

1.6 M

GEO_Luontopaivan_esite.pdf

Invitation and map for the Action Day (in Finnish)

540 K

To top

Gallery

To top