INTERNATIONAL DAY OF BIODIVERSITY 2010
 

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Türkei: Riesiger Wald in großer Gefahr

Istanbul wächst, intakte Natur verschwindet. Einer naturnahen Wald- und Wasserregion nahe der Hauptstadt droht die Zersiedlung.


„Ohne 'Ömerli' gäbe es im Großraum Istanbul keinen intakten Wald mehr", sagt Melih Kafa, Chefredakteur der türkischen GEO-Ausgabe und Initiator des Aktionstages für biologische Vielfalt in der Türkei. Außerdem trage der Stausee inmitten des nordöstlich von Istanbul gelegenen Waldgebietes zu etwa 40 Prozent zur Trinkwasserversorgung der Stadt bei.


Doch die Zwölf-Millionen-Metropole wächst mit geradezu erschreckender Dynamik, vor allem in der Peripherie. Mittlerweile hat sie sich bis auf Sichtweite an das etwa 40 Kilometer vom Zentrum entfernte, 600 Quadratkilometer große Ömerli-Becken herangefressen.


Zerfällt Ömerli aber rund um den Stausee in kleinere Parzellen, erkrankt nicht nur Istanbuls grüne Lunge und Wassereinzugsgebiet. Auch ein riesiges Artenreservoir gerät in Gefahr. Immer noch bietet der Großraum Istanbul derzeit etwa 2000 Pflanzenspezies Lebensraum, darunter auch endemischen Seltenheiten aus den Familien der Platterbsen, der Kleegewächse, Glockenblumen, Korbblütler, Lilien, Schwertlilien-, Raublatt- und Braunwurzgewächse. Drei Arten sind speziell durch die "Berner Konvention" geschützt: die Krokuspflanze Crocus pestalozzae, der Klee Trifolium pachycalx und die Gamander-Art Teucrium lamiifolium ssp.lamiifolum.


Damit die Region auch weiterhin intakt bleibt, beteiligen sich am 23. Mai türkische Experten zusammen mit Schulklassen, GEO-Lesern und Reportern nationaler Medien an der Arteninventur. Vor allem der Botanische Garten „Nezahat Gökyiğit“ in Istanbul und Partner des Aktionstages organisiert Ökologen und Botaniker, Vogelkundler, Insekten-, Spinnen- und Weichtier-Spezialisten.


Sie alle durchkämmen innerhalb von 24 Stunden einen winzigen Teil des Ömerli-Gebiets (eine Fläche bei 40˚ 56' N, 29˚ 25' E, die an den "Istanbulpark" angrenzt, den Austragungsort der türkischen Formel 1). Dort werden die Teilnehmer nicht nur nach Pflanzen suchen, sondern auf hügeligen Waldwiesen nach Insekten keschern oder in Feuchtgebieten nach Amphibien fahnden.


Und hoffentlich zu der Erkenntnis gelangen, dass Ömerli nicht nur für Biologen eine Riesen-Kostbarkeit ist.


 


Photos: Nezahat Gökyigit Botanik Bahçesi


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