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Medienworkshop: 19. Mai 2006

Im Rahmen des Aktionstages zum Erhalt der Biodiversität in Honduras fand in diesem Jahr erstmals auch ein Medienworkshop und Erfahrungsaustausch mit rund 40 Vertretern internationaler TV, Radio- und Printmedien aus Europa, Brasilien und Honduras statt.

 

  • Wie lassen sich Themen wie Artenvielfalt, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung besser in den Medien plazieren?
  • Welche Storylines und Geschichten helfen, Umweltreportagen für Fach- und Tagespresse und die allgemeine Öffentlichkeit attraktiv zu machen?
  • Wie lassen sich Umwelt- und Naturthemen in umfassendere politische und soziale Kontexte einordnen?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweitägigen Workshops in Honduras’ Hauptstadt Tegucigalpa, der dem eigentlichen Aktionstag, der Umwelterkundung im Biosphärenreservat Río Plátano im Nordosten des Landes, vorgeschaltet war.

Zur Begrüßung verdeutlichte zunächst Christel Weller-Molongua,  externer Link in neuem Fenster folgtGTZ-Büroleiterin in Honduras und Koordinatorin des GTZ/KfW-Kooperationsvorhabens  externer Link in neuem Fenster folgtPRORENA, wie wichtig es ist, eine Brücke zwischen den Medien und der Natur zu bauen. Nur so lasse sich die Umweltthematik auf breiter Basis in der Öffentlichkeit darstellen.  
Weller-Molongua erinnerte an den Umwelt-Gipfel in Río de Janeiro/Brasilien 1992, bei dem sich die Regierungsvertreter darauf verständigten, dass eine weltweite Strategie für nachhaltige Entwicklung nötig sei, um eine lebenswerte Umwelt auch für zukünftige Generationen zu erhalten. 

 

Dazu wurde auch die Konvention über biologische Vielfalt ( Convention on Biological Diversity, CBD) ins Leben gerufen. Sie hat vor allem drei Hauptziele:

 

  • Bewahrung des Artenreichtums
  • nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
  • eine faire und gerechte Verteilung der Gewinne, die aus der Vermarktung genetischer Ressourcen erfolgen.

Doch tatsächlich, so Weller-Molongua weiter, bleibt die Bewahrung der weltweiten Biodiversität trotz internationaler Abkommen eine schwierige Aufgabe. Jeden Tag sterben weltweit zahlreiche Arten aus – doch darüber wird nur selten berichtet. Zwar gerät das Thema gelegentlich – z.B. bei Umweltkatastrophen – massiv in die Presse, doch nach wenigen einzelnen Beiträgen verschwindet es auch wieder.

 

Der gemeinsam von GEO und GTZ veranstaltete Internationale Tag zur Biodiversität will das ändern. Durch zahlreiche Aktionen an diesem Tag wird in verschiedensten Ländern der Welt alljährlich die Öffentlichkeit auf das Thema Biodiversität und die Bedrohung der Artenvielfalt auf dem Globus aufmerksam gemacht. Der erste gemeinsame GEO/GTZ Biodiversitätstag fand bereits vor sechs Jahren statt – mit Aktionen in Deutschland/Ruhrgebiet, initiiert von der Zeitschrift GEO und parallelen Aktionen in Kolumbien, unterstützt von der GTZ.

Im Anschluss an die Einleitung durch die GTZ-Büroleiterin erklärte Katja Trippel, Journalistin der   Fachzeitschrift GEO beim Medienworkshop in Tegucigalpa wie die Idee zum Tag der Artenvielfalt bei GEO entstanden ist: Ein Kollege verfolgte bei einer Recherche in den USA einen „Bioblitz“ um den Biodiversitätsexperten O.E. Wilson. Dort hatten sich eine Handvoll Experten zum Ziel gesetzt in Boston binnen 24 Stunden 1000 verschiedene Arten zu finden.    

 

Trippel erklärte, wie diese Idee von GEO 1998 erstmalig in Deutschland an der Wakenitz aufgegriffen wurde –  allerdings mit der Prämisse die Öffentlichkeit bei einem solchen Aktionstag wesentlich mit einzubeziehen. Im Anschluss stellte die studierte Geographin die Hauptveranstaltungen zum GEO Biodiversitätstag im deutschsprachigen Raum vor: dazu gehörten in den vergangenen Jahren zum Beispiel eine großangelegte Veranstaltungen entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, die Untersuchung des Alpenraums im österreichischen Innsbruck oder aber eine Bio-Inventur im Berliner Tiergarten. Mittlerweile, so Trippel, sei der GEO Tag der Artenvielfalt – mit jährlich über 1000 Aktionen – die groesste Feldforschungsveranstaltung in Europe.

 

Andreas Gettkant, stellvertretender Leiter des Kooperationsprogrammes von GTZ und KfW  externer Link in neuem Fenster folgtPRORENA (Programa de Recursos Nacionales) bezog sich ebenfalls auf die Konvention über biologische Vielfalt, CBD als wichtigem Meilenstein auf dem Weg zu globalem Artenschutz. Er wies auch darauf hin, dass die CBD der Umweltkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zunehmend eine Schlüsselfunktion einräumt. Laut Gettkant ist die Vermittlung des Themas Biodiversität genauso wichtig wie der Erhalt der biologischen Vielfalt selbst.

 

Gettkant erinnerte auch darin, wie es überhaupt zu der Idee eines Biodiversitätstages bei der GTZ kam. So habe man im Jahr 2000 auf Einladung an einem Tag der Artenvielfalt in der Schweiz teilgenommen, initiiert von der Fachzeitschrift GEO. Dabei sei schnell klar geworden: Ähnliche Aktionen lassen sich auch in den Entwicklungsländern verwirklichen, um die dortige Bevölkerung verstärkt auf das Thema aufmerksam zu machen. Seither gibt es die Aktionstage zur Artenvielfalt auch bei der GTZ in Kooperation mit GEO, zunächst in Kolumbien, dann in China, China, Brasilien, New York, Mali (2005) und in diesem Jahr in Honduras.

 

Die Grundidee ist dabei stets die gleiche geblieben: Es geht darum, den Naturreichtum im eigenen Land, sozusagen vor der eigenen Haustür zu entdecken. Gleichzeitig wird erleb- und erfahrbar, dass der Erhalt von Fauna und Flora weltweit für das Leben und die Zukunft aller Menschen unerlässlich ist – egal ob für groß oder klein, für Wissenschaftler oder Schulkind, für Experte oder Laie, Bauer oder Beamter.

 

Um das zu vermitteln, sind allerdings erneut die Medien und damit jeder einzelne Journalist gefragt. Doch welche Technik, welches Handwerkszeug ist nötig, um Umweltthemen attraktiv zu gestalten und prominent auf Zeitungsseiten, in Fernseh- oder Radiosendungen zu platzieren.

 

Dazu gab es im folgenden Teil des Workshops einen intensiven Erfahrungsaustausch.

Jana Lemme, Redakteurin  externer Link in neuem Fenster folgtZDF/3Sat/Nano zeigte den anwesenden Kollegen dazu zunächst einen Film über den GTZ Tag der Artenvielfalt in Manaus 2003. Anhand des 10minütigen Berichtes, die einen charismatischen Krokodilforscher in den Mittelpunkt stellt, machte Lemme deutlich, dass es vor allem auf folgende Faktoren ankommt:

  • eine interessante Story, die den Menschen einbindet
  • die Einbindung von Protagonisten und Sympathieträgern
  • einen – auch emotionalen - Bezug zur Zielgruppe herstellen (hier: der deutsche Fernsehzuschauer)
  • eine attraktive stilistische und optische Aufmachung.

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Laut Lemme sind knapp 30 Prozent der Sendezeit bei „Nano“ Umweltthemen gewidmet – ein hoher Anteil, wenn man es mit anderen Sendeplätzen im deutschen Fernsehen vergleicht. In diesem Zusammenhang erläuterte sie am Beispiel des ZDF  auch das Prinzip öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland – was für einige Nachfragen von den anwesenden Journalisten sorgte, da es in Honduras ausschließlich privates Fernsehen und Radio gibt.

 

Die Journalistin räumte ein, dass sie als Redakteurin für Nano  - einem  Reportagemagazin mit unterschiedlichen Filmformaten -  eine durchaus privilegierte Situation habe.

 

GEO-Mitarbeiterin Katja Trippel geht es nach eigenen Worten ähnlich. Ihr Magazin hat sich dem Motto verschrieben: Die Welt mit anderen Augen sehen. Großformatige Bilder, exklusive Stories gehören dazu – nicht nur über Natur und fremde Menschen, sondern auch über Wissenschaft, Soziologie und historische Themen. Trippel stellte dies anschaulich am Beispiel des letzten deutschen GEO – Heftes vor. Neben der Reportage über den GEO Tag der Artenvielfalt 2005 in Berlin und dem GTZ Aktionstag in Mali finden sich Themen wie Meeresbiologie, Tektonik oder aber die Titelstory über Pubertät.

 

Auch bei GEO ist eine „Unterbringung“ von Beiträgen, die sich ausschließlich Naturschutz mit befassen  nicht einfach. Aber sicher ist es viel schwieriger Reportagen, Features über Naturschutz und Artenvielfalt in das reguläre Programme zu bekommen – etwa bei Tageszeitungen oder thematisch breiter angelegten Fernsehsendungen und Magazinen. Doch auch im eigenen Haus, bei GEO, müsse sich das Biodiversitäts-Recherche-Team in jedem Jahr aufs Neue durchsetzen, um eine zehn- bis zwölfseitige Berichterstattung zu Biodiversität im jeweiligen Septemberheft zu rechtfertigen, so Katja Trippel weiter.

 

Dass es für honduranische Journalisten oft sogar noch schwerer ist, Umweltthemen in ihren Medien zu platzieren wurde in Diskussionen  am Ende des ersten Workshop-Tages und am darauffolgenden Tag ebenfalls deutlich.

Zunächst allerdings stellte Christian Ziegler, Journalist und Fotograf für GEO seine Arbeitsweise und Strategie für Umweltkommunikation vor. Schönheit sei dabei das effektivste Mittel, um Naturthemen zu transportieren, so Ziegler. „Dann sehen die Leute: So etwas Tolles besitzen wir, es wäre schade, das zu verlieren. Das müssen wir schützen". „Ich verstehe mich vor allen Dingen als Übersetzer“, so Ziegler. Deshalb versuche er auf dreierlei Weise beim Leser und Betrachter Begeisterung für Naturthemen zu wecken:

 

  • durch Ästhetik („Gezeigtes soll schön sein“)
  • durch Enthusiasmus (zum Beispiel Darstellung der besonderen Fähigkeit eines Tieres)
  • durch Einbindung von Menschen/Wissenschaftlern (z.B. Porträts)

Edilberto Mejia Chirinos, Journalist bei dem honduranischen Sender Radio América, sprach ebenfalls von der Schönheit, die sein Land aufweise. Das gelte besonders für das waldreiche Gebiet der Mosquitia im Biosphärenreservat Río Plátano. Doch dieser Reichtum sei in Honduras keine Nachricht. „Darüber wird von keinem Fernsehsender berichtet. Hier liebt man eher Stories über Konflikte und politische Auseinandersetzungen.“

 

Das allerdings liege nicht so sehr an den recherchierenden Journalisten („Wir sprechen mit denn Leuten vor Ort und wissen um die Bedeutung von Themen wie Biodiversität), sondern an den Entscheidern in den Chefetagen. Denn in den privaten TV- und Radiokanälen von Honduras gehe es nun einmal vor allem um kommerzielles Interesse, und darum, welche Story am meisten Geld einbringt. Ausländische Kollegen hätten da schon eher die Möglichkeit, über Umweltthemen in Honduras in ihren Medien zu berichten.

 

Laut Edilberto Mejia Chirinos gibt auch die honduranische Regierung noch zu wenig Geld für den Umweltschutz und für Umweltkommunikation aus. Chirinos: „Wir brauchen eine richtig aggressive Kampagne, um das Thema Biodiversität ins öffentliche Bewusstsein zu rufen.“

Arturo Sosa, Redakteur und Fotograf der Umweltzeitschrift Crónicas de Hibueras, die einigen Tageszeitungen beiliegt, betonte ebenfalls die Bedeutung einer verstärkten Kommunikation von Naturthemen. Denn schützen könne man nur, was man auch kennt. Bisher aber gebe es in Honduras kaum Bücher, die die Artenvielfalt des Landes sowie seinen ethnischen und kulturellen Reichtum dokumentieren. Dass in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Pflanzenarten entdeckt wurden, sei zum Beispiel keine Nachricht gewesen. Auch das neben der bekannten Maya-Stadt Copan zwanzig präkolumbianische Stätten neu entdeckt wurden, wisse kaum jemand. Sosa: „So etwas könnte den nationalen Stolz beflügeln. Doch wenn überhaupt, wird Literatur dazu eher im Ausland publiziert.“

 

Sosa selbst hat mit anderen Journalisten und Umweltexperten eine interdisziplinäre Gruppe gegründet, um Natur- und Kulturthemen zu verbreiten. Die Internetseite der Gruppe  www.hondurasidomita.com erhielt auch einen Preis als beste touristische Website des Landes. 

 

Sosa: „All das zeigt, dass man es besser machen kann. Dazu aber sind Vernetzungen nötig, auch internationale Allianzen mit anderen Experten.“ Ähnlich wie der deutsche Fotograf Ziegler setzt auch Sosa bei seiner Berichterstattung auf Empathie und Emotion. „Der Leser und Zuhörer muss quasi mit uns in die Naturgebiete reisen und die gleiche Freude fühlen, wie sie der Umweltexperte etwa beim Entdecken einer neuen Spezies empfindet.“

Sergio Adeodato vom brasilianischen Magazin Horizonte stellte anschließend dar, dass sich die Situation in Brasilien nicht wesentlich von der in Honduras unterscheidet. Auch dort wissen die Menschen viel zu wenig über den immensen Naturreichtum ihrer Heimat. Das Magazin Horizonte versteht sich daher als Anwalt für Umweltthemen und Berichte über soziale und kulturelle Missstände.

 

Wichtigstes Fazit des gesamten Workshops: Um Umweltkommunikation und die Berichterstattung zum Beispiel über Biodiversität in Honduras und anderswo voranzubringen, braucht man internationale Allianzen. Einige Ideen zu Austausch und möglichen Kooperationen zwischen honduranischen und deutschen Journalisten wurden bereits entwickelt und sollen nun weiterverfolgt werden.